WAZ, 21.11.2005 / LOKALAUSGABE / DORTMUND

Vögel sehen am Sonntag
Ein vergnügliches Jubiläums-Konzert: Der Chor "Hömma" wurde zehn und sang im Theater im Depot

Von Martina Lode-Gerke

Was macht ein gestresster Vater, wenn die Kinder ihm auf die Nerven gehen, der Sohn
seinen Job als Bankdirektor schmeißt und die Tochter abhaut nach Übersee? Ganz klar:
"Dann fährt dä Vatta mit der Mutta auf'm Mopped am Kanal."
Bis zum Kanal schaffte der Vater es am Freitag nicht, aber ins Theater im Depot, wo der Chor "Hömma" sein zehnjähriges Bestehen feierte. Den "Pott" in der Welt zu vertreten, hat sich der recht gut disponierte und homogen gestaltende gemischte Chor zur Aufgabe gemacht - und für das Weihnachtsfest im Fletch Bizzel und das Sommerfest im Neuen Graben hat es bisher noch jedes Jahr gereicht. Mit sehr viel Witz und einer gehörigen Portion Selbstironie führt Chorleiter Martin F. Risse durch das Programm. Ob die Sängerinnen und Sänger nun gestehen "Ich bin Dich immer voll am lieben" - optisch aufgepeppt durch wunderbar blinkende rote Herzchen an der Brust - oder eine recht eigenwillige Version von Heinz Erhards "Made" präsentieren, das Zwerchfell kommt während des völlig ausverkauften Konzertes so gut wie nie zur Ruhe. Denn die Made, die frech von einem Specht verspeist wird und in der Version von Chormitglied Magdalena Plätz zur Melodie von der "Schwäb'schen Eisenbahne" über die Bühne kriecht, nimmt posthum Rache: Sie litt an "Rindenwahn"!
Auch vor beliebten Volksliedern macht die Kreativität der Chormitglieder nicht Halt: "Alle Vögel sind schon da", heißt es da mitten im November, "auch der Geier kam zu einer Feier." Und auch der alte Schlager "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" nimmt eine erstaunliche Wendung an zu - honi soit qui mal y pense - "am Sonntag will mein Süßer mit mir Vögel sehn". Wirklich ein Schurke, der Böses dabei denkt.
Fazit: ein vergnügliches Konzert!