13.05.2004 / LOKALAUSGABE / OLFEN

Eine volle Breitseite Ruhrgebiet

Hömma-Chor sorgt für Unterhaltung in der Stadthalle - Gute Mischung

"Hömma!" ist in schlicht ergreifendem "Kohlenpottisch" der Name des gemischten Chores aus Dortmund, der Dienstagabend in der Stadthalle gastierte. Knapp 100 Menschen waren gespannt, was der "Geierabend"-erprobte Martin F. Risse und seine Sänger/innen "einen so auffe Ohren knallen würden". "Ja, nee, is klar!" - sie wurden beim so übertitelten Programm bestens unterhalten. Unterhalten vom amüsanten Mix aus moderiertem Nonsens des Chorleiters, Komponisten, Texters und Kabarettisten und feinem, akzentuiertem, mehrstimmigem a-capella-Gesang des 35-köpfigen Chores. Was anfing wie klassischer Madrigalgesang, mauserte sich zum knapp zweistündigem Querbeet-Potpourri von Volkslied bis "Rock for Fun", was nach Martin Risse "nichts mit dem französischen Schimmelkäse zu tun hat". Zu lernen gab's auch was. Die Weisheiten sollte der geneigte Zuhörer aber besser nicht für allzu bare Münze nehmen. Schließlich ist Risse nach eigenem augenzwinkernden Bekunden "der Vorstand oder besser gesagt der ganze Verein beim IFUFW - Institut für ungeklärte Fragen der Welt". Auf gängige Schlager-, Lied- oder Klassiknoten sind die Ruhrgebietstexte gepfropft. Wobei das Wort gepfropft hier wie beim Obstanbau als veredelt verstanden wissen sein soll. Einiges an Musik hat der Chorleiter selbst beigesteuert; bei Ideen und Texten auch die Chormitglieder. Vor zehn Jahren entstanden, singt man in der heutigen Besetzung seit drei Jahren zusammen. Als geklärt ist, dass Olfen auch nicht "ein bissken" zum Ruhrgebiet gehört, ist schnell klar, wo die Themen liegen: "Zwischen Dortmund und Datteln is immer wat los..." oder auf die Melodie vom maritimen Seelenverkäufer "Sie hieß Mary-Ann": "Er hieß Heribert... - Heribert kam leider nicht durch. Er sank kurz vor Henrichenburg..." Beethooven habe laut Risse aus "Alle meine Enten" durch Transponieren von Dur nach Moll seine "Fünfte" gemacht, und Smetana habe dieser Trick zur berühmtem "Mol(l)dau" verholfen. Mensch und Tier, Schrebergärten mit Elchtest, eine kleine Einführung in Stimmführung und Chorhierarchie, ein bisschen "rrrussische Sällä" und Thema eins beim Chorgesang: "Sex und Saufen" - dezenter ausgedrückt: "Ich bin dich immer voll am Lieben" - rundeten den witzigen Musikabend ab. Auch das Hömma-Quiz war ein "notariell beglaubigter" Jux. Hauptpreis ein gemeinsam von Chor und Zuhörern intoniertes vierstimmiges "Quodlibet". Aus "I did it my way" wird "Dann hab ich Heim-w-e-i-h!" Hömma, wa Klasse! Auch wenn Olfen aus Ruhrgebietssicht "achter de Lipp" liegt.

joter