Westfälische Rundschau, Kultur, 22.11.2009, Jens Wege

Ein Lied von Ruhrgebietsklischees
"Ich komm' aus hier"
Dortmund. „Ich komm aus hier”, ist das treffende Motto des Hömma-Chores. Und wie die Sängerinnen und Sänger „aus hier” kommen: Mit Stimmgewalt und Witz persiflierten sie die Ruhrgebietsklischees. Tränenfeuchte Augen und ausgelassene Stimmung im ausverkauften Fletch Bizzel.
Referenzton 'd' schlägt Chorleiter Martin Risse auf dem Piano an, und lässt Bässe und Sopran klingen. Mikrofone? Werden nicht gebraucht. Die Stimmen der 28 Damen und Herren entfalten genug Druck, um auch die letzte Reihe mitzureißen. „Das ist doch Witten-Annen, da will ich gar nicht hin” - ähnlich, wie beim Sagen-Held Odysseus, dauert es auch im öffentlichen Nahverkehr mitunter sehr lange, bis man wieder zur Liebsten gelangt. Der Hömma-Chor kann ein Lied davon singen. „Wir bewegen uns in Tonarten, die nie ein Mensch zuvor betreten hat”, sagt Martin Risse, in Anlehnung an den TV-Klassiker „Raumschiff Enterprise”. Unbekannt ist bis dato auch die deutsche Fassung von Elvis Presleys „In The Ghetto”. „In Emsdetten” spielt die kurze Geschichte einer Eintagsfliege auf einem Herrenklo, die das Schicksal ereilt. Tränen werden gelacht. Die Zuschauer winden sich kichernd auf ihren Stühlen.

Ein Shanty von der Santa Spumante, dann kehren die Sänger als „Singmantau” aus Schnöttentrop (Sauerland) nach der Pause zurück. „Bei euch stehen die Bäume in der Mitte und rechts und links ist die Straße - bei uns ist das genau umgekehrt”, wundern sich die Gäste über die B1. Bei der stimmigen Mischung aus Kabarett und Musik beteiligt sich das Publikum sogar am abschließenden Kanon. Singen und Lachen ist anstrengend, aber „Spitze”, jappst eine atemlose Zuschauerin.